SchlagwortGlauben

Einige Gedanken zum „Wissen“ Thema

Wissen ist, was wir dazu erklären und das hat teils gravierende und nicht immer gesunde Folgen, sowohl im Vorgehen, wie in seiner versuchten Nutzung. Hier einmal ein paar Erhellungen zu einem unterschätzten Thema/Begriff.

Wissen kann nur sinnvoll generiert, verstanden oder genutzt werden, wenn ein Bewusstsein für den Begriff vorhanden ist.
„Wissen“ ist die Basis aller menschlichen Unternehmungen, Selbsteinschätzungen und Werteformulierungen.
„Wissen“, das in seiner Behauptung auf formulierten Erkenntnissen beruht, hat üblich bessere Chancen sich durchzusetzen, als solches, das „nur“ intuitiv begründet wird, egal ob es situativen Wert hat und in Charts „aufbereitet“ wird. Glaube wird oft unberechtigt mit Gläubigkeit gleichgesetzt und damit diskreditiert.
Was wir „Wissen“ nennen, hat fast immer Gefühlsfolgen. Wenn wir uns ent-wickeln, passiert dies in einem zunehmenden bewusster Werden für die Gefühlskomponenten in Begriffen und eine Emanzipation von ihren „automatisierten“ Einflüssen. „Die Welt“ wird transparenter. Sie bekommt eine verarbeitbare Tiefe und mit dieser völlig unmystischen Reifung, wir selbst unsere erste wirkliche Hoheit über unsere Wahrnehmung, Denken und Selbst.
„Wissen“ hat immer Folgen. Wir Menschen schufen mit schrittweisem Zuwachs an unseren Wissensformulierungen nicht nur einfache Bezeichnungen für Alltagsgegenstände, sondern auch Wertevorstellungen mit allumfassenden Einfluss auf unsere Welt-, Selbst- und Fremdwahrnehmung.Auch „Werte“ beinhalten komplexe Basisvorstellungen, haben Wissensunterfütterungen. Wer Begriffe/Wissensvorstellungen wirklich zu handhaben versteht, kann Begriffsimperialismus betreiben, ähnlich oder besser noch, als die eigentlich recht alltag abgewandten Wissen-Schaffenden-Schaften.
Wissen Schaffung Umgebungen
Wissen Schaffung Umgebungen

Wissen, seine Generation, Wirkungen und Gefahren ist ein Kernthema der Wissensaktivierung.

Ethik

Egal, ob im Internet / social media, in Schule, in Vorlesungen, TV Serien, Nachrichten, schöngeistiger Literatur oder sogenannten Fach- und Sachbüchern, überall wird Herrn und Frau Jedermann´s Ethik und ihr hochpersönliches Verständnis davon, beschworen. Hunderttausende Experten räsonieren über ethische Ansprüche und, ob ein gezeigtes Verhalten sie erfülle. Der Witz dabei? Immer wenn jemand einen klaren Werteraum definiert, konstruiert er einen (Logik-)Ethikraum mit intern wirksamen Ansprüchen, während er sich gleichwohl eine Außenwirkung auf Gegenüber davon erhofft. Und in dem Fall sauberer innerer Strukturen, die dann auch von Anderen angerufen werden können, kann der Konstrukteur technisch durchaus berechtigt erklären, ob das besprochene oder untersuchte Verhalten seinem aus diesem beschriebenen Verständnis abgeleiteten Anspruch und definierten positiven Verständnis besten Tuns, entspricht. Allerdings weiß dies anscheinend kaum jemand und so werden ethische Ansprüche, ohne abgleichenden Aufwand zu betreiben, geschaffen, erhoben und gerne aus fremden Ethiken (gerne aus Zusammenhängen gerissen) zitiert und ein heilloses Mein-ungen-Durcheinander enststeht. Korrekt gelesen, „heil-los“. Der Meinungen-Kuddelmuddel bei Diskussionen läßt sich nämlich ohne Schiedsrichter nicht auflösen. Und, ob wir diesen Schiedsrichter, Mediator oder Unterhändler akzeptieren? Nun, dass ist wiederum allzuoft Verhandlungssache. Und können die Unstimmigkeiten, der Dissens, nicht geheilt, heißt gelöst, werden, so kommen im Zweifels-Fall „brute force“ Lösungen in Betracht, wie das Herbeirufen höherer Deutungsmächte (etwa Richter, staatliche Schlichter (mit verliehener Hoheit und fähig per Gewalt zu entscheiden), Kriege oder andere „Lösungs“mittel). Deshalb wurde lange schon richtig erkannt, dass Macht heilen kann. Um das noch etwas klarer werden zu lassen, sollte „Diskussion“, als heutzutage, wie früher schon, gewohntheitsmäßig zur Anwendung kommendes und gedacht probates (als tauglich gedachtes) Mittel zu einer alltäglichen Auseinandersetzung zu und mit Themen korrekt erkannt werden. Diskussion, bedeutet Mein-ungen gegenüberzustellen und ist nicht automatisch lösungsorientiert, sondern eigentlich ein Mittel sprachlichen (und damit nur zu oft realen) Konflikt auszuformulieren. Soll wirklich über etwas mit-Einander verhandelt werden, so braucht es einen Diskurs, der im Vermittlungsversuch für eigene Gedanken und Anspruchshaltungen besteht und zum definierten Ziel hat zu einer gemeinsamen Verständigung durch Auseinandersetzung über oder zu einem Thema zu kommen, nicht gegeneinander.

Zusammengefasst, gibt es sie überhaupt nicht, „Die“ Ethik, sondern nur viele Menschen mit unterschiedlichen Einstellungen und meist gering ausformulierten Vorstellungen, die einander unter Berufen auf (zumeist „überkommene“ oder über“alterte“) Werte verbal und darüber hinausgehend bekämpfen, weil sie sich davon einen, zumeist nur teilweise definierten, und zu oft nicht klar ausgesprochenen, Vorteil erhoffen.

Werden ethische Grundsätze angerufen, so versuchen die Anrufer zumeist (und dabei ungekonnt) „alte ((per Ausruf) erhaben, über andere) Werte“, als Verhandlungsbasis zu etablieren und beziehen sich im abendländisch befütterten Kulturraum auf Aussagen zumeist christlichen Dogmatizismus. Dabei entpuppen sich solche Gespräche / Diskussionen zumeist als Auseinandersetzungen um moralinsaure (moralische) Vorstellungen der Betreiber und eher selten, als wirklich gekonnte Diskurse zu deren jeweiligen ethischem Basisverständnis.

Beim Gebrauch von „Ethik“ und „Moral“, ohne weitergehende oder vertiefende Ausführungen zum jeweiligen Verständnis ihrer, treffen wir auf dasselbe Problem, das wir auch mit den Begriffen „Wissen“ und „Glauben“ alltäglich spüren. – Es gibt im Grunde keinen Unterschied. Einzig, „Ethik“ und „Wissen“ werden als anerkanntere oder (staatlich (und darin akademisch)) akkreditiertere Vorstellungen gesehen, während ein Berufen auf „Moral“ oder „Glauben“ gedacht geringer stark besicherte Darlegungen auszeichnet.

Anm.: Hieraus sieht man schon, dass Ethiken = ideelle Werte, basierend auf (Behauptungen mit zeitlichem Verfallswert, aber derzeit akkreditiert) Wissen ist, das wiederum ungefähr = Glauben (teils auch nichts Anderes als = Gläubigkeit) ist. Wer es versteht, erkennt, warum soviel Gebläh zustandekommt.

Die klarst ausformulierten und gleichzeitig umfangreichsten Ethiken sind nationale Gesetzgebungen. In ihnen werden Zusammenlebensgrundlagen und Strafandrohungen bei Handlungen gegen Gesetze und Vorschriften für dieses Gemeinleben ausdefiniert und moderne Volksvertreter schaffen regelmäßig neue Anpassungen, um der wachsenden Komplexität (nicht zuletzt aus dem Gesetzebasteln) und daraus entstehenden Verunsicherungen zu begegnen. Da durchschnittliche Politiker eher selten hochmoralische Geschöpfe sind oder besonders begabte, altruitische Typen und Denker, sind geschaffene Strukturen dieser Gesetzesumgebungen permanent konfliktbeladen, anpassungsbedürftig und brauchen Auslegung in resultierenden Streitfällen, weshalb moderne Gesellschaften jeweilig formulierte politische Strukturen (mit zumindest theoretisch ausdefinierten inneren Hoheiten/Mächten/Gewalten) aufweisen.

Dass Staaten(lenkungsumgebungen, nicht notwendig = Politiker) auch heute noch zumindest in Ansätzen verstehen, dass es in der Philosophie, deren Teildisziplin Ethik ist und war, immer noch dialektisch begabte Experten gibt und diese nutzen, erkennt man daran, dass diese spezialisierten Philosophen für die wirklich brenzligen Überlegungen zu medizinischer Ethik bemüht werden. Eigentlich ist dieser in Gesellschaften, aufgrund der innewohnenden Themen („Mensch“-Definitionen, -werte, -rechte, Leben, Tod, Gesundheit(sansprüche)), wichtige Auseinandersetzungsbereich heute die letzte Bastion, in der Philosophen ihr Handwerk noch von der Alltagswelt unbemerkt betreiben und dafür doch geschätzt werden.

Da politisch regelmäßig neu verhandelte Ethiken gleichwohl gesetzbegründenden Einfluss auf unser Leben haben und dies in weiteren Teilen der politisch aktiven Bevölkerung und Wirtschaft schon bemerkt wurde, gibt es Chancen, dass der zunehmend wichtiger werdende Bereich der wirtschaflichen und betrieblichen Compliance und potentiell möglichen ideellen Wertebilanzierungen, sowie Unternehmensethikkonstrukte vs Ansprüche sonstiger Hoheiten, in der Zukunft zu einem interessanten Tummelplatz für Philosophen werden kann, sofern diese sich entsprechend vermarkteten … hmm, ein logischer Widerspruch … out.

p.s. Wer Unwissen, Deutungsfehler und Missverständnisse als Dummheitsgrundlagen reduziert, macht effektiv klüger, wer dabei noch Denkprozesse bereinigt und anregt, macht gar weiser. Allerdings will / nicht jedermann // Jedermann nicht / klüger oder weiser werden. Denn reflektierendes Denken braucht Ressourcen, die der moderne Mensch nicht gerne verschwendet oder hat und reflektierendes Lesen soll „auf die Augen gehen“.  😉

p.p.s. Um wirklich zuträglich Sinn spendend etwas wie „die Ethik“ zu konstruieren, braucht es eine wiederum weitergehend ausformulierte Übereinkunft dazu, was eigentlich Realität ist, den Menschen ausmacht und welche Werte überhaupt in Aktionen übersetzt werden können und da keines dieser Topics auch nur im Entferntesten einer Klärung naht, bleiben wir wohl noch auf eine gewisse Dauer dabei, lieber Religionen oder andere Glaubensgerüste zur Beruhigung zu spenden.

Ethik, zusammengefasst
Wert und Werte – heruntergebrochen

Armin Rütten

Was passierte mit Herrn Kant´s „Aufklärung“?

Statement zum Stand der Aufklärung

Alles an Gesellschaften zugänglichem Wissen/Glauben/Meinen basiert auf einer ursprünglich kleinen Zahl, sprachlich konstruierter /  mythogener Weltvorstellungen, wie z. B. Materie, Raum, Zeit, Dimensionen, Licht, Natur, kosmische Konstanten // Götter, Seelen, Leben, Tod und weiteren nicht letztgeklärten Idealisierungsmitteln unverstandener „Realität“.
Da der Mensch der Lebenswelt bis heute nicht zwischen Sein und Dasein oder Beschreiben und Zuschreiben zu unterscheiden gelehrt wird, trennt er auch nicht zwischen Begriffen zur Beschreibung gedachter physikalischer Zusammenhänge und den ihm „gespendeten“ Beschreibungen für seine sonstigen mentalen Zustände, ideellen Wunschvorstellungen und aus diesen hergeleiteten Werten.
Der in der Philosophischen Lehrlandschaft vor über 2000 Jahren vollzogene Übergang vom vorsokratischen Denken wurde nur in den „Natur“wissenschaften zum Teil vollzogen. In den sogenannten Gesellschaftswissenschaften (Politik, Psychologien, Pädagogiken, Soziologie, etc.) und der „Wirtschaftswelt“ herrschen chaotische Glaubenszustände und Begriffskriege.
Trotz der Einsicht, dass 99% aller Menschen der Lebenswelt an vermeidbaren neurotischen Zuständen durch sprachlich generierte Denkkonflikte leiden, wird ihnen die Möglichkeit nüchternen/gesünderen Weltzugang zu erlangen durch höhere Gewichtung in primärer Unterrichtung proportionaler und relationaler Sprachmittel (Algebra, euklidische Geometrie) oder Unterrichtung in Logikgebrauch nicht gegeben. Statt dessen werden Menschenmassen in ihren „Kulturen“ immer noch zwecks leichterer Lenkbarkeit mit quasireligiösen Vorstellungen in ihrer Kindheit und Jugend programmiert/“angelegt„, von denen sie sich im Nachhinein nie gänzlich Ent-Wickeln können (wovon die „Trait“idee der Psychologien handelt).
Eine umfangreiche weltweite Abkehr von der Verwendung, Denken, bzw. Kognition, dämpfender religiöser Lenkungsmittel und sukzessive Abkehr von der Nutzung staatlicher Bedeutungshoheit zu Ideologisierungszwecken steht nach wie vor aus, genauso wie das Profit orientierte Begriffeschöpfen und -verwirren tägliche Wirk-lichkeit wurde. Ob Herrn Kant dies wundern würde?

Bei aller wiederkehrenden Recherche im öffentlich zugänglichen Raum, ist mir bis heute außer der Wissensaktivierung kein anderes, spezialisiertes Mittel zur Erweiterung, Optimierung oder Entwicklung überdurchschnittlichen Kopfes bekannt, welches ihr in Fundierung, Ideologieneutralität und Wirksamkeit auch nur ansatzweise nahe käme und wirklich ebenfalls echtem mental-development dienen könnte.

Daran wird gut ersichtlich, dass philosophische oder wissenschaftlich wichtige Forschung(sergebnisse) einer (dem Alltag zugewandten und seinen Erfodernissen Rechnung tragenden) Entwicklung(speriode), bzw. verständlichen Formulierung, bedürfen, die Menschen, die mit der produzierend Disziplin nicht so vertraut sind, mit eher gewöhnlichen und für sie fassbaren Worten die erreichten Erkenntniszuwächse zugänglich macht.

Natürlich wäre noch darauf zu achten, dass solche (popularwissenschaftlichen) Darlegungen ausreichend attraktiv formuliert werden, dass sie mit üblichem populärwissenschaftlichen Tagesgebrabbel konkurrieren können.

Angemerkt, wissen Menschen im Alltag (und viele Akademiker ebenfalls) nicht, dass wissenschaftliche Forschung NICHT in erster Linie für die tägliche Nutzanwendung geschieht, sondern die erwähnte Übersetzungs-/Entwicklungsphase braucht, um freigegeben und überhaupt nutzbringend zur Anwendung zu kommen. Einen Kompromiss stellen die FHs (Fach-Hochschulen) oder modern „applied sciences“ titulierten Hochschulen dar.

Statement zur Aufklärung, Postkartenformat

Armin Rütten

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